Kolumne: Die Angst, sich modisch auszuprobieren.

 

Die Situation.

Kennt ihr diese Situation? Ihr spaziert durch ein Modegeschäft, durchstöbert die Kleiderstangen und euch fällt ein Teil in die Hände, das euch wirklich sehr gut gefällt. Aber ihr hängt es zurück, weil ihr euch denkt: „Das kann man im ’normalen‘ Leben doch nicht tragen“ oder „Was würden dann wohl die Leute sagen“ und „Da schauen mich doch sicher alle ganz komisch an“. Aber eigentlich würdet ihr es gerne anprobieren, weil ihr es cool findet oder weil es euch einfach neugierig macht. Ich habe mir all diese Gedanken jahrelang gemacht und ich hatte selbst lange sehr große Scheu davor, mich modisch auszuprobieren. Die Angst, wie mein Umfeld auf mich und meine Experimentierfreudigkeit bezüglich Mode reagieren könnte, hat mich sehr lange gehemmt, …

 

… aber beginnen wir ganz am Anfang.

Ich komme aus einer unauffälligen 900-Seelen-Gemeinde in Kärnten. Mode ist dort eigentlich kaum bis gar kein Thema. Meine Schulzeit ist alles andere als einfach gewesen, denn ich war eigentlich immer eine Außenseiterin. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht darunter gelitten hätte. Ich war nicht cool und auch nicht beliebt, sondern unscheinbar und oft dem Spott meiner Mitschüler ausgesetzt. Außerdem war ich eine sehr gute Schülerin, was mir nicht geholfen hat, denn Einserschüler befanden sich „zu meiner Zeit“ ganz weit unten in der Hackordnung. Noch dazu steckte ich als Leseratte meine Nase lieber in Bücher, als in die Angelegenheiten der anderen. Ich wurde oft dafür verspotten wie ich aussah oder was ich anhatte. Oh ja, ich hatte sehr viele Bewunderer … 😉 Ich weiß also wie es ist, ausgelacht zu werden und ich war lange sehr eingeschüchtert von Menschen im Allgemeinen. „Graue Maus“ beschreibt es sehr gut, weil so war ich: unsichtbar, unscheinbar und ich verkroch mich liebend gerne.

 

Meine Angst, mich modisch auszuprobieren.

Meine „Modeemanzipation“ hat sehr schleichend begonnen. Irgendwann habe ich angefangen, diverse Modezeitschriften zu lesen. Ich habe die Seiten nach den neuesten Trends durchstöbert und bekam immer größere Lust, sie selbst auszuprobieren. Aber ich hatte zu großen Respekt davor, aufzufallen und damit vielleicht Blicke auf mich zu ziehen. Nur sehr langsam wurde ich bei der Auswahl meiner Kleidung etwas mutiger. Mit der Zeit habe ich dann die etwas spezielleren Teile nicht mehr so schnell zurück an ihren Platz gehängt. Oh, ich war sogar so verwegen, sie in die Umkleidekabine mitzunehmen. Und manche dieser Teile standen mir gut, also kaufte ich sie mir und zog sie in der Öffentlichkeit an. Natürlich spürte ich die bewertenden Blicke der Leute und das war für mich wirklich unangenehm. Zum Teil sind die Sachen dann wieder in meinem Kleiderschrank verschwunden, weil ich mich zu sehr verunsichern ließ. Aber irgendwann dachte ich mir: Sch*** drauf, es ist mir egal, dass mich manche ansehen und dass die Leute, wenn ich aus der Umkleidekabine rauskomme, um ein Teil zu präsentieren, komisch schauen. ES IST MIR EGAL, denn es ist mein Leben, mein Geschmack und mein Kleiderschrank. Außerdem zwinge ich ja niemanden, so rumzulaufen wie ich und ich erwarte auch nicht, dass die Art mich zu kleiden allen gefällt. Diese Gedanken zu verinnerlichen war harte Arbeit, weil ich mich viel zu oft sehr schnell einschüchtern lasse. Aber es gelang mir und der Grund ist recht simpel: Es macht mir so großen Spaß, Mode auszuprobieren, verschiedene Trends zu entdecken, mich selbst dadurch kennen zu lernen, mich neu zu erfinden und der ganze Spaß, den ich dabei habe, der ist mir einfach wichtiger!

 

 

Mehr „Wurschtigkeit“ für alle!

Nein, ich will hier kein Mitleid abstauben. Ich will euch damit nur erklären, warum ich so denke, wie ich denke. Sich diese „Wurschtigkeit“ gegenüber dem Gerede der Leute anzueignen, war ein langer und schwieriger Prozess. Wer mag es denn schon, verspotten zu werden oder ständig Blicke auf sich zu spüren? Niemand mag das. Keiner will sich ständig darüber Gedanken machen müssen, was Dieser oder Jener sagt und wie Die oder Der das findet, was man trägt oder was man überhaupt macht. Das ist anstrengend, macht das Leben schwer und engt den eigenen Horizont furchbar ein. Und deshalb bin ich für mehr „Wurschtigkeit“ für alle! Wen kümmert es, was die Leute sagen? Und wen kümmert es, dass das Mädchen von nebenan gerne bunte Socken in Sandaletten trägt? Ist doch Wurscht! 🙂 Habt Freude an dem, was ihr tut und lasst euch nicht einschüchtern, und urteilt nicht vorschnell über andere. Das ist das einzige, was wirklich wichtig ist.

 

Der Angsthasen und der Modejunkie.

Ich bin ein ziemlicher Angsthase in fast allem was ich tue. Mein Selbstbewusstsein ist größtenteils Fassade. Ich brauche meistens länger, um mich etwas zu trauen. Diesen Beitrag, zum Beispiel, habe ich zigmal überarbeitet und ich habe eine Weile überlegt, ob ich ihn überhaupt online stellen soll. Ich verrate euch doch einiges über mich und das ist nicht ganz so leicht (#RealTalk). Nur in einem Bereich nenne ich ich mittlerweile mutig: Mode. Ich entdecke unheimlich gerne neue Trends und mich anders zu kleiden als der Rest, macht mir keine Angst mehr. Ich liebe Mode einfach! Ja, ich bin ein richtiger Modejunkie geworden und das ist wunderbar. 🙂

 

Nur Mut – Express yourself!

Eines will ich euch mitgeben: Lasst euch den Spaß an der Sache nicht nehmen!! Egal was euch glücklich macht, genießt es, solange ihr niemandem damit schadet. 😉 Ein abschätziger Blick eines Fremden oder ein unguter Kommentar von einem Bekannten … schluckt es runter, es ist nämlich nicht euer Problem. Seid einfach besser als der Rest. In der Praxis ist das alles natürlich etwas schwerer, ich habe es am eigenen Leib selbst gespürt und spüre es zum Teil immer noch. Vor allem in ländlicheren Regionen ist es schwierig, anders, individuell oder alternativ zu sein, und ich schließe hier auch Orte wie Klagenfurt mit ein. Denn auch wenn es sich dabei um eine Stadt handelt, ist es doch irgendwie einfach ein etwas größeres Dorf – klingt hart und das tut mir leid. Ja, auch in Klagenfurt werde ich oft genug für meine Culottes, meine Plateauschuhe und meinen Stil komisch begutachtet. Und trotzdem, man kann auch am Land Spaß an Mode haben! Man muss nicht nach Wien, Berlin, Paris oder New York, um Trends zu genießen und sich modisch auszuprobieren. Das einzige, war ihr wirklich dafür braucht, ist ein bisschen mehr Mut, weil man damit rechnen muss, öfter aufzufallen. Aber Mut schadet sowieso nicht, wenn man Spaß am Leben haben will. Also seid mutig, habt Spaß, erweitert euren Mode-Horizont, lasst euch nicht einschüchtern und haut auf den Putz! Express yourself!

 

Outfitdetails

Jeansjacke – Esprit (hier)

Culotte – Zara (ähnlich hier und hier)

Top – Topshop (ähnlich hier und hier)

Schuhe – No Name (ähnlich hier und hier)

Uhr – Daniel Wellington (hier)

Xx Sandra

7 thoughts on “Kolumne: Die Angst, sich modisch auszuprobieren.

  1. Toller Beitrag und du hast vollkommen Recht. Man traut sich einfach viel zu wenig. Nixht nur im modischen Bereich. Geht mir zumindest so. Also vielen lieben Dank für deine Ehrlichkeit. 😚 Sollte ich mir vielleicht auch mal zu Herzen nehmen und einfach mal was kaufen und nicht nur probieren 😉

    P.S.: Mach nur weiter so. Du kannst alles tragen und es passt 🖒 *neidischbin* 😉

  2. Hallo Sandra,
    ein richtig toller Beitrag und das Thema finde ich extrem interessant und persönlich. Ein toller Blogpost, ehrlich! Das Thema find ich richtig gut und vielleicht lässt sich etwas in diese Richtung auch bei mir auf dem Blog mal genauer erläutern. Kaffeeklatsch mit Julia braucht wieder neue Themen. Danke also schon mal für die Inspo 🙂 !
    Ich finde deine Entwicklung klasse und finde es so schön dass du dich mittlerweile mehr traust und die Graue Maus hinter dir lässt 🙂 sehr cooler Look übrigens! Zwar nichts für mich persönlich, an anderen finde ich solch ausgefallene Stücke aber extrem cool <3
    Liebe Grüße,
    Julia von http://coffeejunkyjules.com

    1. Hallo liebe Julia!
      Danke, das ist wirklich total lieb von dir und ich freue mich sehr, dass ich dich sogar ein bisschen hab inspirieren können. 🙂 Es würde mich wirklich sehr freuen, deine Meinung zu diesem Thema auf deinem Blog zu lesen. Danke für deine lieben Worte! :-*
      Alles Liebe, Sandra

  3. Ich kenne dein Gefühl nur zu gut! Vor allem wenn man aus einer kleineren Stadt kommt (mein Freund und ich werden bei Fotos immer SO angestarrt, obwohl es in unserem Ort sogar 100.000 Einwohner gibt).

    Bei mir ist es immer abhängig von meiner Laune, ob ich jetzt gerade Lust habe in meinem Outfit aufzufallen oder nicht. Ich habe wahnsinnigen Spaß an Mode, doch wenn ich ’nur‘ ins Büro gehe, möchte ich gar nicht, dass die Leute so sehr auf mein Outfit achten 😉

    XX aus Erlangen
    Jecky
    Want Get Repeat

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