Rezension: Ingar Johnsrud – Der Hirte

Autor: Ingar Johnsrud

Titel: Der Hirte

ISBN: 978-3-7645-0587-5

Verlag: Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House GmbH

 

Letztens habe ich endlich den norwegischen Bestseller-Thriller von Ingar Johnsrud – Der Hirte fertig gelesen. Der Thriller ist der erste Teil einer mehrteiligen (irgendwo habe ich gelesen 3-teiligen?) Thriller-Reihe mit dem abgewrackten, aber trotzdem sympathischen Ermittler Fredrik Beier im Mittelpunkt. Mich hat dieser Thriller mit einer ganzen Menge Fragen und einiger Verwirrung zurückgelassen und ich kann jetzt schon sagen, dass Der Hirte für mich kein so großes Highlight gewesen ist, auch wenn ich es mir wirklich und ehrlich anders gewünscht hatte.

 

Zur Handlung

Unser Ermittler Fredrik Beier muss einen grausamen Mord aufklären. Und zwar wurden einige Mitglieder der ominösen Glaubensgemeinschaft “Gottes Licht” auf deren Anwesen brutal ermordet. Dazu kommt noch, dass die Tochter einer hochrangigen Politikerin zu dieser Glaubensgemeinschaft gehört und als verschwunden gilt. Es wird sehr schnell klar, dass dieser Fall höchste Priorität hat. Und irgendwie wird es jetzt auch schon schwer, euch kurz und knackig zu erzählen, worum es eigentlich geht …

Aber ich versuch es … irgendwie. Primär geht es darum, dass diese besagte Glaubensgemeinschaft in einem auf ihrem Anwesen gebautem Labor an einem “Super-Krankheitserreger” gearbeitet hat, um damit quasi das Jüngste Gericht heraufzubeschwören. Außerdem gibt es Verbindungen zu einem Arzt, der im Zweiten Weltkrieg Rassenforschung betrieben und Experimente an Gefangenen durchgeführt hat. Labore werden unter der Scheune und in alten Punkern im Wald gefunden. Dabei auch ein als vermisst gemeldetes (halb)totes homosexuelles Paar, dass der Glaubensgemeinschaft für Experimente gedient hat. Der Mörder der Mitglieder wird als ehemaliges Militärmitglied identifiziert. Er verdient seine Brötchen anscheinend mit Auftragsmorden. Dieser ist wirklich ziemlich verunstaltet, aber es wird nicht genau erklärt, wer ihm das angetan hat oder warum. Der Schütze ist ein absolutes Mysterium durch und durch.

Hilfe bekommt Beier von einer sehr netten, jungen und hübschen Ermittlerin eines Spezialkommandos. Und Überraschung: Er verguckt sich in sie! Und im Großen und Ganzen ist das die Handlung auch … aber trotzdem auch irgendwie nicht, weil so viele Nebenhandlungen stattfinden, dass man sehr schnell den Überblick verliert.

Zum Beispiel spielt die Verwandtschaft von Polizeichefs Koss eine Rolle, weil er der Enkel eines Widerstandskämpfers aus dem Zweiten Weltkrieg ist, der gegen den schon genannten KZ-Arzt gearbeitet hat. Der Großvater von Koss wird im Laufe der Handlung auch ermordet.

Dann kommt die Politikerin und ihrer Tochter hinzu, die ja zu dieser Glaubensgemeinschaft gehört. Die Tochter hat einen Sohn mit einem der anderen Mitglieder, wird auch ermordet und ist dabei schwanger mit dem Kind von jemandem, der schon vor einiger Zeit für tot erklärt wurde. Dieser besagte Mann ist auch der Vater von ihrem ersten Kind (das erfahren wir alles erst am Schluss) und für Beier ist das nur der klare Beweis dafür, dass er Recht hat und dass dieser Mann eben noch lebt (Koss erleugnet das).

Also spielt auch dieser für tot erklärte Mann, der aber nicht tot ist, eine Rolle, die man aber auch nicht wirklich genau zuordnen kann. Man weiß, dass er auf mysteriöse Art umgekommen sein soll und dass das Für-tot-Erklären ungewöhnlich schnell ging. Nun ist er aber einer der drei Pastoren der Glaubensgemeinschaft und erst als er zu “Gottes Licht” gestoßen war, fing die Glaubensgemeinschaft mit der Laborarbeit und den Experimenten an.

Weiters kommt einem Journalisten eine Rolle zu, der Informationen aus erster Quelle erhält und mit Beier sehr gut befreundet ist. Er verrät seinen Informanten aber nicht und wird in weiterer Folge zugleich mit der Tochter der Politikerin ermordet.

Außerdem erfahren wir einiges über die Experimente im Zweiten Weltkrieg und auch einiges über das Leben von Koss’ Großvater, der, wie schon erwähnt, auch ermordet wird. Leider ist es mir aber ein Rätsel, was das alles nun primär mit den Experimenten der Glaubensgemeinschaft “Gottes Licht” zu tun hat. Außer dass man eine von dem bereits erwähnten Arzt signierte Bibel bei der Glaubensgemeinschaft findet.

Nun kommt auch noch das Privatleben von Beier vor. Er ist geschieden, hat zwei Kinder, lebt in einer eher komplizierten Beziehung und verguckt sich in seine Kollegin. Außerdem leidet er unter Angststörungen, wobei man aber auch nicht wirklich erfährt, was in seiner Vergangenheit passiert ist.

Dann wird ein Mann in einer Scheune in der Nähe von dem Grundstück der Glaubensgemeinschaft brutal ermordet. Keiner weiß warum und man erfährt auch nichts darüber. Es passiert einfach.

Ihr habt bis jetzt durchgehalten und das alles gelesen?? Herzlichen Glückwunsch!! Nun wisst ihr annähernd, was ich meine. Irgendwann blickt man einfach nicht mehr durch und ist auch ein bisschen ratlos. Keine der Handlungen wurde wirklich aufgeklärt. Johnsrud lässt mich als Leser mit einem großen Haufen Fragezeichen zurück.

 

Meine persönliche Meinung

Naja, ihr ahnt es sicher: Ganz überzeugt hat mich dieser Thriller nicht. Warum? Für mich blieb einfach viel zu viel ungeklärt! Verschachtelte Geschichten mit vielen Handlungssträngen machen mir eigentlich nichts aus. Aber hier hatte ich am Ende das Gefühl, als hätte Johnsrud einfach aufgehört zu schreiben, obwohl mindestens noch 200 Seiten notwendig gewesen wären, um meine Verwirrung aufzulösen und natürlich auch, um meine Neugierde zu befriedigen. Und es gäbe dann immer noch genug Story, um die weiteren Bände zu füllen. Ich habe das Buch wirklich zugemacht und mir gedacht: Echt jetzt?? Das war’s?

Es kommen in diesem Thriller so viele Personen vor, so viele Handlungsstränge und Handlungsorte und ich muss leider sagen, dass es Johnsrud für meinen Geschmack nicht geschafft hat, das alles gut zusammenzubringen und abzurunden. Ich war leider mehr als einmal total verwirrt. Deshalb war ich auch so überrascht, als das Buch schon aus war … Schon bei den letzten Kapiteln dachte ich mir, dass ich schon gespannt bin, wie er da jetzt auf den letzten wenigen Seiten den Bogen spannen wird, aber leider wurde ich da dann doch etwas enttäuscht.

Erinnert hat mich der Roman etwas an Der letzte Pilger von Gard Sven. Dort gibt es ja auch den Bezug zum Zweiten Weltkrieg und zum Widerstand gegen die Nationalsozialisten und auch bei Johnsrud finden sich ähnliche Rückblenden wie bei Sven. Nur in Der letzte Pilger hat das alles mehr Sinn ergeben. Die Rückblenden an sich fand ich eigentlich ganz okay, Rückblenden verwirren mich weniger. Für mich war es eher ein Problem, bei den ganzen Namen und Personen den Überblick zu behalten und ich musste auch das ein oder andere Mal zurückblättern und nochmal nachlesen, wer das denn jetzt genau ist.

Außerdem war die Haupthandlung für mich nicht wirklich schlüssig, weil ich einfach nicht verstanden habe, WARUM die Religionsgemeinschaft diese grausigen Experimente durchgeführt hat. Das ganze nur wegen ihrem religiösen Hass auf Homosexuelle? Irgendwie hat das meiner Meinung nach den ganzen Aufwand nicht gerechtfertigt – den kompletten Umbau ihres Anwesens, das Betreiben eines großen unterirdischen Labores inklusive kompetenten Personals, der ganze Forschungsaufwand und all das … irgendwie ist das für mich nicht plausibel. (Vielleicht habe ich aber auch nur irgendwas überlesen oder nicht verstanden?)

Als ich das Buch dann zugemacht habe, schwirrten mir so dermaßen viele Fragen durch den Kopf! Ich musste gleich online recherchieren, wann der zweite Teil rauskommt – konnte dazu aber leider noch nichts finden. Das machte mich dann ziemlich unrund, weil ich das nicht mag, wenn nach dem Lesen mehr Fragen zur Handlung offen geblieben sind, als beantwortet wurden.

Das finde ich zugegeben wirklich schade! Denn ich finde den Thriller eigentlich nicht so schlecht. Wisst ihr was ich meine? Ich würde ihn so gerne besser bewerten, weil die Grundidee gut ist und ich auch den Schreibstil von Johnsrud wirklich gut finde. Fredrik Beier ist nicht unsympathisch, der klassische abgewrackte Ermittler mit zerrütteter Vergangenheit eben, aber trotzdem irgendwie liebenswert. Ich hoffe jetzt irgendwie auf die weiteren Teile. Vielleicht wird dann ja alles klarer. Ich finde es halt einfach schade, weil bis der nächste Teil erscheint, habe ich sicher das meiste von diesem Teil schon wieder vergessen und werde erst wieder nichts verstehen … Ich mag mehrteilige Thriller oder Krimis viel lieber, wenn man sie auch unabhängig voneinander lesen kann. Und trotzdem gehören die Teile dann zusammen. Davon habe ich persönlich einfach mehr. Ich lese dafür einfach viel zu viel, als dass ich mir das alles merken könnte.

 

Mein Fazit

Ich würde den Thriller gerne besser finden, als er ist. Kann es aber nicht. Ob ich die weiteren Teile lesen werde, hängt wohl davon ab, wie neugierig ich bei Erscheinen noch auf die Aufklärung bin. Und aufgeklärt muss bei dem ganzen Wirrwarr recht viel werden. Der Schreibstil von Johnsrud ist sehr gut. Die Grundidee ist auch gut, aber leider dann doch nichts Außergewöhnliches. Von diesen mehr oder weniger zerstörten Ermittlern gibt es leider schon zu viele, auch wenn ich Beier wirklich nett fand und Johnsrud ihn sehr sympathisch geschrieben hat. Ich wünsche mir nur mal wieder etwas anderes, etwas Neues! Etwas, das ich noch nicht gelesen habe.

Für mich persönlich blieb am Schluss zu viel ungeklärt. Wem das aber nichts ausmacht oder wem eine verwirrende Handlung nicht so massiv stört, kann ich diesen Thriller trotzdem sehr empfehlen. Ich nehme an, dass der zweite Teil gleich beim Ende des ersten ansetzten wird. Leider lese ich zu viel, um da jetzt am Ball zu bleiben und um mir alles zu merken. Vielleicht wäre es eine gute Idee zu warten, bis alle Teile erschienen sind und sie dann alle auf einmal zu lesen …

Hat diesen Thriller von euch schon jemand gelesen? Und wenn ja, wir fandet ihr ihn?

Xx Sandra


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