Laetitia Colombani – Der Zopf | Buchkritik

Okay, meine lieben Leserattinnen und -ratten! Wie ihr vielleicht schon wisst, lese ich 2020 wieder mehr (genauere Infos dazu in diesem Beitrag). Und das erste Buch für dieses Jahr ist nun gelesen und eigentlich wollte ich zu dazu zuerst keine Rezension schreiben. Ich fand es, den vielen positiven Stimmen und Bewertungen zum Trotz, leider nicht so gut … Aber dann hab ich euch auf Instagram gefragt, ob ihr auch an kritischeren Buchbesprechungen interessiert seid und ihr habt sehr eindeutig mit JA gestimmt. Und das freut mich wirklich sehr, also here we go! Es geht um …


Laetitia Colombani – Der Zopf

ISBN: 978-3-596-70185-8 | Taschenbuchausgabe | Verlag: S. Fischer Verlag GmbH


Zugegeben, am Anfang der Lektüre war ich gar nicht so abgeneigt. Der Aufbau ist prinzipiell interessant und mal was anderes – drei Frauen, drei Welten, drei Geschichten, die sich am Ende verbinden. Zu Beginn ist der Roman sehr eingängig geschrieben. Die drei absolut unterschiedlichen Frauen und ihre Leben waren in den ersten Kapiteln recht spannend und interessant dargestellt. Leider hielt das aber nicht lange an. Sehr bald konnte ich mich nicht mehr in die Charaktere hineinfühlen. Die Geschichten wirkten nach ein paar Kapiteln so verkrampft und gekünstelt. Gewisse Sorgen konnte ich verstehen, anderes war für mich überhaupt nicht nachvollziehbar und wieder anderes fand ich total nichtssagend und seicht.

Das Schicksal der Inderin ist zwar zum Teil sehr bewegend, aber trotzdem fühlte sich die Geschichte nicht echt an. Die Schilderungen waren so überdramatisiert und ihre inneren Monologe so übersteigert. Ich konnte nach ein paar Kapiteln einfach nichts mehr damit anfangen.

Die Italienerin, zuerst richtig sympathisch, und dann ging es nur mehr um den “lebensverändernden” Sex mit ihrem Typen in einer Höhle. Was primär jetzt nichts Schlechtes ist, aber Tiefe hatte diese Story irgendwann keine mehr. Vor allem wenn der Vater gerade ins Koma gefallen ist.

Und dann die Kanadierin, die von mir schon von Beginn an absolut keine Sympathiepunkte erntet. Was ja auch okay ist und nicht bedeutet, dass die Geschichte deshalb schlecht ist. Nur leider dasselbe Spiel wie bei den anderen: Die Glaubwürdigkeit war absolut nicht gegeben. Und ihre Läuterung am Ende kaufe ich ihr auch kein bisschen ab. Alles in allem also ziemlich stereotype Charaktere, die ich mir so im echten Leben nicht vorstellen kann. Kein echtes Gefühl, keine Identifikationsmöglichkeiten, keine Sympathie, nichts.

Zudem wurden die Geschichten sehr bald wirklich richtig negativ und pessimistisch, dass mich die Lektüre fast schon deprimiert hatte. Die Sprache wurde so düster und negativ, dass ich das Buch sogar einmal weglegen musste, weil es mich so runtergezogen hat. Es wurde auch so krampfhaft literarisch, so als wollte die Autorin einfach mehr rausholen, als drin ist. Die Star-Wars-Anspielungen gegen Ende haben es dann auch nicht mehr gerettet.

Wo die Story hinführt, war leider sehr schnell zu erkennen und deshalb war die Spannung schon relativ früh draußen. Die Geschichten der drei Frauen waren schnell zu durchschauen, was, wenn die Erzählsprache etwas angenehmer oder inspirierender wäre, für mich nicht so das Problem dargestellt hätte. Aber leider kann das Buch für mich beides nicht bieten.

Auch wenn Der Zopf sehr hochgelobt wurde, ich kann mich dem nicht anschließen. Keine Ahnung, was andere hier sehen und mir verborgen bleibt. Und jetzt wo ich das hier niederschreibe, wundere ich mich auch, warum ich das Buch überhaupt fertig gelesen habe. Ich denke, ich habe bis zum Schluss auf ein Highlight gewartet. Aber leider bleib die Story platt, das Ende keine Überraschung.

So viel dazu von mir. Das erste Buch für 2020 ist für mich also eher ein Reinfall. Luft nach oben ist aber auch was Gutes! :) Hat das Buch von euch jemand gelesen? Wenn ja, würde mich eure Meinung wirklich sehr interessieren!

Xx Sandra

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